Wenn der Arzt sagt, „Schluck die Pille!“, dann schluckt der Papa die Pille. So einfach war das früher. Okay, hin und wieder hat auch der Papa schon mal an der Sinnhaftigkeit der ärztlichen Anweisungen gezweifelt und nach Alternativen gesucht. Aber im Großen und Ganzen war sein Vertrauen in die weißen Halbgötter schon ziemlich unerschütterlich. Nun ist alles anders. Schuld ist keine folgenschwere Fehldiagnose oder eine unerkannte Erkrankung. Es sind die kleinen alltäglichen medizinischen Herausforderungen, vor die wir Erziehungspioniere gestellt und dabei vom medizinischen Fachpersonal schon mal gerne im Stich gelassen werden.

Soll ich mein Kind nun gegen Meningokokken B impfen oder nicht? Soll ich den Nachwuchs schon wenige Tage nach der Geburt mit Vitamin D-Pillen füttern? Und Vitamin D mit oder ohne Fluorid? Das Fluorid soll der Karies-Prophylaxe dienen – und das schon lange, bevor die ersten Zähne das Licht der Welt erblicken. Das sagen zumindest die Kinderärzte. Die Zahnärzte witzigerweise nicht. Die raten von den Fluorid-Pillen ab. Dafür soll man dann später die ersten Zähnchen mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen. Das finden nun aber die Kinderärzte doof, weil man die Fluorid-Menge so schlecht dosieren kann. Unsere Hebamme sagte zu diesem Thema nur: Euch ist schon klar, dass Fluorid ein Gift ist, oder?

Gut, wenn kinderreiche Familien im Freundeskreis sind. Also hat der Papa eine gute Freundin gefragt: „Wie habt ihr das denn gemacht?“ Sie so: „Wir habend die Fluorid-Tabletten gegeben.“ Der Papa so: „Und warum?“ Sie so: Schulterzucken. Also nochmal zur Ärztin. Sie so: „Sie können auch abwechselnd eine Tablette mit Fluorid und eine ohne Fluorid geben.“ Endlich: Die Lösung ist so genial wie simpel. Einfach keine Entscheidung treffen und a bissl was von allem machen. Juhu! Aber muss der Nachwuchs seine Zähnchen dann später an einem Tag mit und an einem Tag ohne fluoridhaltige Zahncreme putzen?

Damit aber nicht genug! Ist die Tablettendosis dann richtig eingestellt, kommt auch bald die Frage der richtigen Ernährung. Echte Milch – also die aus der Kuh – die soll man nach Möglichkeit im ersten Jahr gar nicht füttern, sagt die Hebamme. Die Milcheiweiße seien für viele Babybäuche zu komplex, was wiederum Allergien auslösen kann. Warum aber packt dann der freundliche Onkel Hipp – der, der dafür mit seinem Namen steht – Milch in seine Gläschen? Das soll jetzt kein Hipp-Bashing sein! Der Papa schleppt die Gläschen schließlich palettenweise ins Haus. Aber es verunsichert den Papa doch schon ein wenig.

Von der Sinnhaftigkeit der festen oder doch eher breiigen Nahrung ganz zu schweigen. Voll im Trend: Baby-led weaning. Eigentlich ganz cool: Soll sich der Nachwuchs seinen Ernährungsplan doch selbst zusammenstellen. Aber natürlich sind nicht alle Experten von dem Trend überzeugt. Ihr Vorwurf: Die kleinen Gourmets würden bei der Zusammenstellung ihrer Speisen zu wenig auf eine ausgewogene Ernährung achten und dabei wichtige Nährstoffe vernachlässigen. Das ist natürlich nicht gut. Also doch Hipps Brei bis zum Verlust der ersten Milchzähnchen? Oder selbst Brei kochen, am besten mit etwa kleinwagen-großen Küchenmaschinen? Und wer hat wohl das bessere Gemüse: Onkel Hipp in seinen Bio-Gläschen oder der Bio-Markt um die Ecke?

Permanent haben wir Erziehungspioniere die Wahl. Das ist echt anstrengend. Wir wollen doch alle nur das Beste für unseren Nachwuchs. Und dabei ja nicht als überbehütende Helikopter-Eltern dastehen. Sind wir auch nicht. Auf gar keinen Fall!

Der Papa macht jetzt Schluss und schaut mal schnell, ob die lustige Giraffe, die der Nachwuchs heute Mittag von der Oma bekommen hat, auch tatsächlich keine Giftstoffe enthält und völlig unbedenklich bespielt werden kann.